Auf Meterspur durchs grüne Spanien | 4/5 m 42 B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum vierten Teil unserer Tour durchs grüne Nordspanien, im dritten Teil waren wir von León über den Pajares-Pass nach Gijón gereist und waren an der Küste entlang bis Cudillero gefahren.
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Heute nehmen wir uns die weitere Strecke von Cudillero bis Ferrol vor, dabei haben wir einen Zwischenstopp eingeplant.
Tag 5: Cudillero - Rinlo – Esteiro - Ferrol
Wir haben in Cudillero übernachtet, am frühen Morgen ist der Leuchtturm Faro de Cabo Vidio oben an der Klippe in Betrieb. Später machen wir uns auf den Fußweg hinauf zum Bahnhof.
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Mit dem Fußmarsch haben wir schon unseren Morgensport erledigt, der Bahnhof liegt 100 Meter über dem Meeresspiegel. Am Bahnhof gibt es einen kurzen Schreckmoment, da die anderen Fahrgäste vom Fahrdienstleiter zur Bushaltestelle geschickt werden. Das betrifft aber nur die Cercanía in Richtung Gijón…
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-122Cudillero-Bahnhof.jpg)
…unser Regionalzug nach Ferrol verkehrt planmäßig. Pünktlich rollt ein Dieseltriebzug der FEVE-Baureihe 2700 (heute Renfe-Baureihe 527) in den Bahnhof ein. Die zweiteiligen Meterspur-Triebzüge wurden in den Jahren 2009 und 2010 von CAF geliefert, sie sind 120 km/h schnell.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-123Feve-2700-Cudillero.jpg)
Die Züge sind recht komfortabel eingerichtet, die Sitze lassen sich in Fahrtrichtung verstellen. Ursprünglich waren auch Monitore für Filmvorführungen vorgesehen, an den Sitzplätzen gibt es ein Soundsystem mit Kopfhöreranschlüssen.
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Vor uns liegt nun eine landschaftlich eindrucksvolle und abwechslungsreiche Fahrt. Der Verkehr auf diesem Abschnitt der Linie R-1 ist mit zwei Zügen pro Tag äußerst dünn, wir haben uns für den Vormittagszug entschieden. Die Strecke folgt im Wesentlichen dem Küstenverlauf, führt abschnittsweise aber auch durch das hügelige Hinterland.
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Das bergige Küstengelände und die zahlreichen für die Region typischen Meeresbuchten machten die Trassierung der Eisenbahnlinie anspruchsvoll und teuer. Bei Caneiru ist in der Ferne die Steinbogenbrücke über den Fluss Esva zu sehen.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-126Fahrt-Caneiru.jpg)
Von der Querung des Flusses habe ich nicht nur dieses Bild…
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-127Fahrt-Rio-Esva.jpg)
…sondern dank offenem Rollo am hinteren Führerstand auch eins aus einer weiteren Perspektive. Insgesamt gibt es an der Strecke 110 Tunnel und 27 Viadukte. Die Tür in der Front neben dem Führerstand dient als Notausstieg.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-128Fahrt-Bruecke-Rio-Esva.jpg)
Beim nächsten Bild fahren wir auf einem Hangviadukt über den Dächern von Luarca (asturisch Ḷḷuarca), unten der Rio Negro.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-129Fahrt-Luarca.jpg)
Die Landschaft am Golf von Biskaya trägt den Namen Costa Verde (grüne Küste), besser lässt sich das folgende Bild nicht beschreiben:
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-130Fahrt-Costa-Verde.jpg)
Die nächste große Bucht ist die Ría de Navia, dort blicken wir vom Zug auf das Hafenbecken der gleichnamigen Stadt.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-131Fahrt-Navia.jpg)
Zwischen Castropol und Ribadeo umrundet die Bahn die Mündungsbucht des Rio Eo. In der Flussmitte verläuft die Grenze zwischen Asturien und Galicien. Beim übernächsten Bild haben wir die Südspitze der Bucht erreicht.
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Wenig später kommen wir am Bahnhof von Ribadeo an – und hier erleben wir eine Spezialität der Feve: ein unveröffentlichter Zugwechsel. Aus der Gegenrichtung trifft gleich der Zug aus Ferrol ein, alle Fahrgäste werden gebeten, den Zug zu wechseln und beide Züge fahren zurück in die Richtung, aus der sie gekommen sind.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-134Bahnhof-Ribadeo.jpg)
Wir sind nun in einem einteiligen Triebzug unterwegs, der Zug ist jetzt gut gefüllt, die meisten Sitzplätze sind belegt. Wir fahren aber ohnehin nur noch wenige Minuten und steigen am nächsten Halt in Rinlo aus. Bevor der Zug entschwindet, holen wir am dortigen Haltepunkt noch schnell ein Bild nach.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-135Feve2900-Rinlo.jpg)
Die Gegend ist eigentlich zu schön und interessant um einfach durchzufahren, aber dreieinhalb Stunden an einem Ort zu verbringen ist dann doch lang. Und so lautet unser Plan: wir machen aus der Not des dünnen Fahrplans eine Tugend und wandern ein Stück der Strecke.
Der Bahnhof ist relativ jung, dieses Teilstück wurde erst 1972 eröffnet. Der Haltepunkt liegt einige hundert Meter von der Küste und dem Ort Rinlo entfernt. Und so marschieren wir jetzt mal los.
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Rinlo ist ein 200-Einwohner-Dorf an der Küste. Einst starteten von hier aus Walfänger zur Jagd auf Bartenwale, mit dem Rückgang der Walbestände sattelt die Einwohner des Fischerdorfs auf Muschelfarmen um.
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Die wenigen Passanten werden uns vermutlich für Pilger auf dem Jakobsweg gehalten haben, wie wir so mit den Rucksäcken auf dem Wanderweg entlang der Küste unterwegs sind. Der eigentliche Camino del Norte verläuft allerdings weiter im Landesinneren.
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Eine tolle Landschaft, perfektes Bilderbuchwetter – heute passt einfach alles. Ich hoffe, es kommt hier im Forum nicht komisch rüber, dass das Schönste an einer Bahnreise ausgerechnet eine Wanderung ist.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-139Praia-de-Esteiro.jpg)
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-140Praia-das-Catedrais.jpg)
Wir laufen bis zur Praia das Catedrais, seinen Namen verdankt der Strand den Felsformationen, die Meer, Wind und Wetter zu Gewölben und Bögen geformt haben, die bei Ebbe das Gefühl vermitteln, in einer Kathedrale zu stehen. Hier sind wir nun aber nicht allein, ein Geheimtipp ist dieser Strand nicht. Im Gegenteil: in der Hauptsaison braucht es eine (kostenlose) Online-Reservierung für den Besuch.
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Etwa ein Kilometer entfernt liegt der Haltepunkt Esteiro. Im Gegensatz zum gut gefüllten Parkplatz am Strand sind wir hier wieder allein. Rund 3 Streckenkilometer haben wir nun zu Fuß zurückgelegt, die tatsächliche Wanderstrecke an der Küste war sicherlich ein ganzes Stück länger.
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Für den minimalen Verkehr hat der Haltepunkt eine regelrechte Luxusausstattung mit barrierefreiem Bahnsteig, Absturzsicherung, Leitstreifen, Wetterschutz, Sitzbank, Mülleimer und Fahrplanaushang - lediglich ein klitzekleines Detail wurde vergessen…
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-143Haltepunkt-Esteiro.jpg)
…nämlich eine Zuwegung, es lässt sich lediglich ein Trampelpfad durch die Wiese erahnen. Von der Straße aus führt noch ein Weg bis zum nächsten Haus, ab dort muss man durch eine Wiese stapfen um zum Haltepunkt zu gelangen.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-144Haltepunkt-Esteiro-Zugang.jpg)
Als zur geplanten Abfahrtszeit kein Zug auftaucht, testen wir den QR-Code in der Fahrplanvitrine und siehe da:
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-145Onlinefahrplan-Renfe-feve.jpg)
Die Prognose stimmt, zur angegebenen Zeit rollt ein zweiteiliger Triebzug an den Bahnsteig. Vor uns liegen nun gut drei Stunden Fahrt bis zur Endstation Ferrol. Ich bemerke auch bald den Grund für die Verspätung: der Zug fährt ohne Zugbegleiter. Das ist gut für unseren Geldbeutel, aber schlecht für die Pünktlichkeit. Denn auf der Strecke gibt es zahlreiche Bedarfshalte und die Zugbegleiter erfragen das Reiseziel und geben die Haltewünsche an den Lokführer weiter. Ohne Zugbegleiter weiß der Lokführer nicht, wo er anhalten muss und so hält der Zug an jedem noch so einsamen Haltepunkt, dort findet zwar kein Fahrgastwechsel statt, es entstehen aber Verspätungsminuten.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-146Feve-2700-Esteiro.jpg)
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-147Feve-2700-innen.jpg)
Die Strecke verläuft weiterhin recht küstennah und gibt hin und wieder den Blick auf die Costa Verde frei. Neben einsamen Siedlungen passieren wir auch kleinere Städte, auf dem übernächsten Bild fahren wir durch das Zentrum von Burela.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-148Fahrt-Costa-Verde.jpg)
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-149Fahrt-Burela.jpg)
Bei Viveiro queren wir wieder eine größere Ria, hier mündet der Fluss Landro ins kantabrische Meer. Bahnstrecke und Straße führen mit zwei Brücken über den Fluss, gegenüber liegt die Altstadt von Viveiro, die Stadt hat ein reiches historisches Erbe mit Spuren von Kelten, Römern, Arabern und Wikingern.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-150Fahrt-Viveiro.jpg)
Die nächste große Mündung, die die Bahnstrecke umrundet, ist die Ría del Barquero, hier gibt es gleich drei Brücken, wobei die Puente metálico aus dem Jahr 1901 heute Fußgängern vorbehalten ist.
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![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-152Fahrt-Puente-metalico-del-Barquero.jpg)
Bereits im Jahr 1886 war der Beschluss zum Bau einer Bahnstrecke zwischen Gijón und Ferrol gefallen, ausschlaggebend waren militärstrategische Gründe, so sollte die Strecke eine Verbindung zwischen den Waffen- und Sprengstofffabriken in Asturien und dem Marinestützpunkt Ferrol schaffen. Allein bis zum Baubeginn der Ferrocarril Estratégico vergingen jedoch 35 Jahre, auch die Bauarbeiten selbst kamen nur sehr schleppend voran und es dauerte bis 1953, bis ein erster Streckenabschnitt in Betrieb genommen werden konnte. Der letzte Lückenschluss erfolgte 1972 – nur 51 Jahre nach Baubeginn. Auf dem nächsten Bild sehen wir den einst stolzen Bahnhof von Espasante, dieser Streckenabschnitt wurde 1966 eröffnet.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-153Bahnhof-Espasante.jpg)
Bei Ortigueira führt die Strecke am Ufer einer weiten Bucht. Bei Ebbe fallen große Teile der Bucht trocken, das Feuchtgebiet zählt zu den wichtigsten Vogelschutzgebieten Galiciens, insbesondere als Rast- und Überwinterungsplatz.
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Das war nun das letzte Bild mit einem Wasserlauf, jetzt ändert sich die Landschaft vor dem Zugfenster deutlich. Die Bahnstrecke führt anschließend durch das bergige Landesinnere, bei Cerdido gibt es sogar eine Kehrschleife. Ich konnte nicht herausfinden, wo der höchste Punkt der Strecke ist, aber mit 232 Metern über Meer dürfte der Bahnhof Cerdido gut dabei sein. Hier auf dem letzten Abschnitt gibt es neben dem Regionalverkehr auch Pendlerzüge nach Ferrol.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-155Fahrt-Galicien.jpg)
Die Strecke ist wirklich beeindruckend und landschaftlich sehr abwechslungsreich. Den Stopp an allen 47 (Bedarfs-)Halten hätte es jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber ansonsten war es eine tolle Fahrt. Wir erreichen schließlich den Endbahnhof Ferrol.
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Ferrol ist eine Industrie- und Hafenstadt mit einem wichtigen Flottenstützpunkt. Die Stadt wirkt etwas rauer als die typischen Touristenorte in Galicien, oder auch „authentischer“, um die Sprache der Reiseführer zu bemühen. Auf dem übernächsten Bild sind wir bei der Stadterkundung an der Militärkirche Iglesia de San Francisco angekommen, sie wurde 1757 für die spanische Marine erbaut und blieb ohne Turm.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-157Ferrol-Zentrum.jpg)
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-158Ferrol-Iglesia-Francisco.jpg)
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-159Ferrol-Hafen.jpg)
Das letzte Bild für heute zeigt das Rathaus an der Plaza de Armas.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-160Ferrol-Rathaus.jpg)
Und damit sind wir auch am Ende dieses Teils angelangt. In den nächsten Tagen folgt der fünfte und letzte Teil der Tour, dann treten wir die zweitägige Rückreise von Ferrol an den Bodensee an.
Viele Grüße
Tobias
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